Sauerstoff in der Fischzucht messen

Welcher Salzgehalt ist im Meerwasseraquarium richtig? Hier findest du eine Tabelle in ppt und Dichte, damit du zuverlässig misst statt zu schätzen.

In der Fischzucht ist gelöster Sauerstoff der Wert, der am schnellsten Schaden anrichtet. Ein falscher pH-Wert belastet die Tiere über Tage, ein Sauerstoffabfall kann eine Nacht dauern und einen ganzen Bestand treffen. Trotzdem wird oft nur dann gemessen, wenn die Fische schon auffällig sind, und dann an der Stelle, die am bequemsten erreichbar ist. Dieser Beitrag zeigt, welche Werte du anstreben solltest, wann und wo die Messung wirklich etwas aussagt und welcher Sensor zu welchem Betrieb passt.

Wenn du erst einmal alle Wasserparameter im Überblick suchst, starte auf unserer Seite zur Aquakultur. Hier geht es nur um den Sauerstoff.

Richtwerte für den Bestand

Wie viel Sauerstoff nötig ist, hängt vor allem von der Fischart, der Temperatur, der Besatzdichte und der Fütterung ab. Die Angaben in der Fachliteratur streuen deshalb, die folgende Tabelle ist ein Richtwert und kein Grenzwert.

FischgruppeAnstrebenKritisch
Kaltwasserfische wie Forelle und Saiblingmindestens 6 mg/l, besser darüberunter 4 mg/l
Warmwasserfische wie Karpfenmindestens 5 mg/lunter 2 mg/l, das Wachstum leidet schon unter 3 mg/l

Kritisch heißt dabei nicht, dass darüber alles in Ordnung ist. Lange vor dem akuten Mangel fressen die Fische schlechter, verwerten das Futter schlechter und wachsen langsamer. Dauerhaft knappe Werte kosten also auch dann Geld, wenn kein einziger Fisch stirbt.

mg/l oder Prozent: warum du beides brauchst

Die meisten Messgeräte zeigen den Sauerstoff in mg/l und in Prozent Sättigung an. Für die Fische zählt in erster Linie mg/l. Die Sättigung sagt dir, wie viel das Wasser bei der aktuellen Temperatur überhaupt aufnehmen kann, und genau das ändert sich im Jahresverlauf deutlich.

Wassertemperatur100 % Sättigung im Süßwasser100 % Sättigung im Meerwasser (35 ppt)
5 °C12,8 mg/l10,1 mg/l
10 °C11,3 mg/l9,0 mg/l
15 °C10,1 mg/l8,1 mg/l
20 °C9,1 mg/l7,4 mg/l
25 °C8,3 mg/l6,8 mg/l

Berechnete Werte bei Normaldruck nach Benson und Krause. Mit zunehmender Höhenlage sinken sie.

Daraus ergibt sich das eigentliche Problem im Sommer: Bei 25 °C passen selbst im voll gesättigten Süßwasser nur rund 8 mg/l hinein, und gleichzeitig atmen die Fische schneller. Der Puffer zwischen Sättigung und kritischem Wert ist dann viel kleiner als bei 10 °C. Wer nur auf den Prozentwert schaut, übersieht das.

Wann messen: der Zeitpunkt entscheidet

Ein einzelner Wert am Vormittag sagt wenig. Wichtig ist der niedrigste Wert des Tages, und der liegt je nach Haltung zu einer anderen Zeit.

  • Teiche mit Pflanzen und Algen: Tagsüber produzieren sie Sauerstoff, nachts verbrauchen sie welchen. Der Tiefpunkt liegt meist kurz vor Sonnenaufgang. Miss also früh morgens, nicht erst zum Füttern.
  • Becken und Kreislaufanlagen: Ohne Photosynthese fehlt dieser Tagesgang. Hier sinkt der Wert vor allem nach der Fütterung, weil die Fische beim Verdauen deutlich mehr Sauerstoff brauchen.
  • Durchflussanlagen: Entscheidend ist der Ablauf, denn dort ist der Sauerstoff am stärksten aufgezehrt.

Zusätzlich solltest du außer der Reihe messen, wenn sich etwas ändert: bei Hitze und Windstille, nach Gewittern, nach einer Algenblüte, bei neuem Besatz, nach dem Sortieren oder Abfischen, bei geringerem Zulauf und nach jeder Störung an Belüftung oder Pumpe. Auch im Winter lohnt sich der Blick, denn unter einer geschlossenen Eisdecke findet kaum noch Gasaustausch statt.

Wo messen: die häufigsten Fehler

Der bequemste Messpunkt liegt meist direkt am Belüfter oder am Zulauf, und dort ist der Wert am höchsten. Für den Bestand zählt aber die schlechteste Stelle.

  • Miss in der Nähe der Fische und mit Abstand zu Belüftern, Zuläufen und Sauerstoffeintrag
  • Miss in größeren Teichen an mehreren Stellen, vor allem in strömungsarmen Ecken
  • Miss in tieferen Teichen auch nahe am Grund, denn im Sommer kann sich das Wasser schichten und unten deutlich sauerstoffärmer sein
  • Halte in Kreislaufanlagen feste Messpunkte ein, damit die Werte über Wochen vergleichbar bleiben
  • Notiere immer Wert, Temperatur, Uhrzeit und Messstelle, denn erst die Reihe zeigt, ob sich etwas verschiebt

Auch Werte deutlich über 100 % Sättigung solltest du nicht einfach als gutes Zeichen werten. Sie entstehen etwa bei starker Algenaktivität oder beim Eintrag von reinem Sauerstoff, und eine starke Übersättigung kann den Fischen ebenfalls schaden.

Welcher Sensor passt zu deinem Betrieb

Für die Sauerstoffmessung gibt es vor Ort im Wesentlichen zwei Prinzipien. Den ausführlichen Vergleich aller Methoden findest du im Ratgeber Was ist gelöster Sauerstoff?. Für die Fischzucht kommt es vor allem auf den Aufwand im Alltag an.

PolarographischOptisch
BeispielSX716DO850
Vorbereitungrund 5 Minuten Polarisationkeine Polarisation
WartungMembrankappe und Elektrolyt wechselnkeine Membran, keine speziellen Lösungen, Sensor bis zu 8000 Betriebsstunden
Beim Messenverbraucht selbst etwas Sauerstoff, braucht deshalb Anströmungstabiler Wert in 1 bis 3 Minuten
Passt zukleineren Betrieben und gelegentlichen Kontrollentäglichen Messrunden an vielen Stellen

Wer jeden Morgen mehrere Teiche oder Becken abläuft, spart mit dem optischen Sensor vor allem Wartung und Wartezeit. Das Kabel des DO850 ist 3 Meter lang, das reicht in Becken und am Teichrand, für tiefe Stellen vom Ufer aus solltest du es vorher prüfen. Musst du Messreihen dokumentieren, etwa für Kunden oder eine Zertifizierung, bietet das DO8500 zusätzlich eine GLP-Speicherfunktion und Datenausgabe.

Willst du mit einem Gerät mehr als den Sauerstoff erfassen, gibt es Kombigeräte: das SX725 misst zusätzlich den pH-Wert, das SX736 auch Leitfähigkeit und Salinität. Alle passenden Geräte stehen in der Kategorie Messtechnik für die Aquakultur.

Eines sollte dabei klar sein: Ein Handgerät misst, wenn jemand misst. In dicht besetzten Anlagen, in denen ein Pumpenausfall in kurzer Zeit gefährlich wird, ersetzt es keine fest installierte Überwachung mit Alarm. Dort dient es als unabhängige Kontrolle und zum Gegenprüfen der festen Sonden.

Damit die Messung stimmt

  • Kalibriere nach Anleitung und vor wichtigen Messreihen
  • Warte, bis der Wert steht, und notiere nicht die erste Anzeige
  • Stelle in Salz- und Brackwasser den Salzgehalt richtig ein: Beim DO850 gibst du ihn von Hand ein, sonst zeigt das Gerät zu hohe mg/l-Werte an
  • Halte die Sensorkappe sauber, denn Algen und Biofilm verfälschen das Ergebnis
  • Spüle den Sensor nach Salzwasser mit Süßwasser ab

Wenn der Wert plötzlich fällt

Fällt der Wert in den kritischen Bereich, kommen zuerst die Maßnahmen, die sofort wirken:

  • Belüftung oder Sauerstoffeintrag einschalten und auf Störung prüfen
  • Fütterung sofort einstellen, das senkt den Bedarf der Fische
  • Frischwasserzulauf erhöhen, wenn genug Wasser guter Qualität verfügbar ist
  • Sortieren, Abfischen und Transporte verschieben, denn Stress treibt den Verbrauch weiter nach oben
  • Abgestorbene Tiere und Futterreste entfernen und danach engmaschig nachmessen

Erst danach lohnt die Suche nach der Ursache, und wiederholt sich das Problem, liegt sie oft im Verhältnis von Besatz, Futtermenge und Belüftung. Halten Tiere trotz guter Werte Abstand vom Futter oder sterben sie weiter, gehört der Fall in die Hände einer Fachperson für Fischgesundheit.

Fazit

Sauerstoff in der Fischzucht richtig zu messen, ist vor allem eine Frage der Routine: zur kritischen Zeit, an der schlechtesten Stelle und immer zusammen mit der Temperatur. Ein Wert mittags neben dem Belüfter beruhigt, sagt aber wenig. Wie der Sauerstoff im kleineren Maßstab schwankt, zeigt unser Beitrag zum Sauerstoffgehalt im Gartenteich, die Grundlagen stehen auf der Parameterseite Sauerstoffgehalt.

Häufige Fragen

Wie viel Sauerstoff brauchen Fische in der Fischzucht?

Als Faustregel gelten mindestens 6 mg/l für Kaltwasserfische wie Forellen und mindestens 5 mg/l für Warmwasserfische wie Karpfen. Das sind Richtwerte. Der tatsächliche Bedarf steigt mit Temperatur, Besatzdichte und Fütterung.

Wann sollte ich den Sauerstoff im Fischteich messen?

Am besten früh morgens kurz vor Sonnenaufgang, denn dann liegt der Wert in Teichen mit Pflanzen und Algen meist am niedrigsten. In Becken und Kreislaufanlagen ist zusätzlich die Zeit nach der Fütterung wichtig.

Warum ist der Sauerstoffgehalt nach dem Füttern niedriger?

Fische brauchen für die Verdauung deutlich mehr Sauerstoff. Dazu kommen Futterreste und Ausscheidungen, die beim Abbau zusätzlich Sauerstoff verbrauchen. In dicht besetzten Anlagen kann der Wert deshalb nach der Fütterung spürbar sinken.

Reichen 100 % Sättigung immer aus?

Nicht automatisch. 100 % entsprechen bei 25 °C im Süßwasser nur rund 8,3 mg/l, bei 5 °C dagegen rund 12,8 mg/l. Da die Fische im warmen Wasser zugleich mehr Sauerstoff brauchen, ist der Puffer im Sommer deutlich kleiner.

Optischer oder polarographischer Sensor: was ist für die Fischzucht besser?

Bei täglichen Messrunden spricht vieles für einen optischen Sensor wie im DO850, weil Membranwechsel, Elektrolyt und Polarisation entfallen. Für gelegentliche Kontrollen reicht oft ein polarographisches Gerät wie das SX716, das in der Anschaffung günstiger ist.

Ersetzt ein Handmessgerät die Dauerüberwachung?

In dicht besetzten Kreislauf- und Durchflussanlagen nicht, denn es warnt nicht, wenn nachts eine Pumpe ausfällt. Dort sichert eine fest installierte Überwachung mit Alarm den Bestand, das Handgerät dient zur Kontrolle und für Messungen an wechselnden Stellen.